Bedingungen für den ersten Schritt zur Diagnose bei jungen Krebspatienten verbessern

Beschwerden bei jungen Patienten müssen als mögliche Symptome einer Krebserkrankung ernst genommen werden. Mehr Raum für ein aufmerksames Arztgespräch und eine sorgfältige körperliche Untersuchung schaffen!


Berlin, 30. Mai 2018 – Zu jung für Krebs! – Diese Vorstellung kann zu einer gefährlichen Unterschätzung auch deutlicher Beschwerden junger krebskranker Frauen und Männer führen.

„Jährlich erkranken 15.000 junge Menschen im Alter von 18 bis 39 Jahren neu an Krebs. Das sind ‚nur‘ drei Prozent aller Krebserkrankungen und gemessen an vielen banalen Erkrankungen, wie Verletzungen oder Infektionen, bei jungen Menschen geringe Zahlen. Immer wieder hören wir von jungen Betroffenen, dass sie im Vorfeld ihrer Krebsdiagnose eine Odyssee erleben mussten. Ihre Beschwerden wurden nicht ausreichend ernst genommen, weil sie als zu jung für eine Krebserkrankung erschienen“, erklärt Prof. Dr. med. Mathias Freund, Kuratoriumsvorsitzender der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs.

Die bundesweit tätige Stiftung arbeitet seit mehr als drei Jahren eng mit mehreren Hundert jungen Krebspatienten bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Hilfeprojekte zusammen. Ein Teil der jungen krebskranken Frauen und Männer beschreibt einen langen und teilweise unnötigen Leidensweg bis endlich der erste Schritt zur Diagnose Krebs getan wurde.

So wurden offensichtliche und typische Anzeichen eines lebensgefährlichen mediastinalen B-Zell-Lymphoms bei Nora, heute 27 Jahre alt und Medizinstudentin, über lange Zeit nicht erkannt. Nora schildert ihren Leidensweg bei „Krömer and friends“ auf rbb-radioEINS.

Otto erhielt mit 19 Jahren die Diagnose Schilddrüsenkrebs. Sein Hals war so angeschwollen, dass er genauso groß wie der Kopf war. Darüber hinaus kämpfte er wegen angeschwollener Lymphknoten mit erheblicher Atemnot. Er wurde auf Pfeiffersches Drüsenfieber behandelt. Am Ende der onkologischen Therapien mussten ihm 25 Lymphknoten entfernt werden.

Wenn Körperteile durch einen Tumor schmerzen oder angeschwollen sind, wird das nicht selten als Bagatell-Verletzung oder Entzündung verkannt. „Dadurch gehen wertvolle Wochen, manchmal auch Monate für eine frühzeitige und damit wirkungsvollere Behandlung verloren“, mahnt Stiftungsvorstand Prof. Dr. med. Diana Lüftner. „Dabei müsste man in vielen Fällen einfach nur genau fragen, wie lange die Beschwerden bestehen und ob sie voranschreiten und dann den Patienten bitten, sich auszuziehen und ihn körperlich untersuchen“ so Freund weiter, der über 18 Jahre die Krebsklinik an der Universität Rostock geleitet hat.

Wieso geschieht das in einigen Fällen nicht? Man kann die Ärzte nicht von der Verantwortung entbinden, dennoch spielen dabei die Arbeitsbedingungen eine wichtige Rolle. Es ist einfach zu wenig Zeit und Ruhe für ein aufmerksames Gespräch und eine sorgfältige Untersuchung eingeplant. „Die Patienten vermissen das bitter“, sagt Freund. Leider müsse man Patienten den Rat geben, hartnäckig zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen. Es sei ihr gutes Recht.

Claudia Liane Neumann, 31 Jahre alt und kürzlich mit dem „Ehrenfelix“ der Felix Burda Stiftung ausgezeichnet, war mit 28 Jahren an Darmkrebs erkrankt. Sie gibt jungen Leuten mit anhaltenden Beschwerden im Bauch den Rat, unbedingt zum Arzt zu gehen: „Eine Darmspiegelung ist weniger schlimm als eine Chemotherapie!“ (Hier können Sie Claudia Liane Neumann auf der BURDA-Award-Gala und im Studio des rbb-TV-Magazins "zuhause in berlin und brandenburg" sehen.)

Die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs ist im Juli 2014 von der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. gegründet worden und bietet jungen Krebspatienten im Alter von 18 bis 39 Jahren unterschiedliche Unterstützung rund um den Alltag mit und nach dieser schweren Erkrankung.Die Stiftungsarbeit, die als gemeinnützig anerkannt ist, wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

„Wir wollen die Bedingungen für die jungen Krebspatienten während und nach Behandlung wesentlich verbessern. Dazu gehört auch Aufklärung über die besonderen Schwierigkeiten und Bedürfnisse dieser Altersgruppe in der Öffentlichkeit sowie ganz konkret in den Klinika und Praxen. Bitte helfen Sie uns dabei mit Ihrer Spende“, rufen Nora, Otto, Claudia sowie Lüftner und Freund gemeinsam auf.

(Die angegebene Genderform vertritt beide Geschlechter.)

Hier können Sie sich die Pressemitteilung als pdf-Datei herunterladen.