Immundefekte

Priv.- Doz. Dr. med. Il-Kang Na

  • Oberärztin in der Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie
  • Forschungsschwerpunkte: Therapieinduzierte Immunmodulation, sekundäre Immundefekte und adoptive Zelltherapie
  • Charité – Universitätsmedizin Berlin

Sie haben das Thema der Immundefekte angesprochen. Was ist unter Immundefekten zu verstehen?

Das Immunsystem besteht aus vielen verschiedenen Zellen und Faktoren, die uns vor Infektionen schützen. Kommt es zu einem Mangel oder einer Funktionsstörung sprechen wir von einem Immundefekt. Diese Funktionseinbuße hat eine verminderte Abwehr gegenüber Infektionserregern zur Folge. Patienten mit Immundefekten leiden daher oft an häufigen und schwer verlaufenden Infekten, aber auch das Risiko für das Auftreten von Autoimmun- und Tumorerkrankungen kann erhöht sein.

Man unterscheidet primäre und sekundäre Immundefekte. Primäre Immundefekte sind meist durch angeborene, genetische Veränderungen verursacht. Sekundäre Immundefekte können sich dagegen entwickeln in Folge von Erkrankungen, wie z. B. Infektionen (HIV) und immunsuppressiven Therapien.

Welche Rolle spielen Immundefekte im Bereich der Onkologie?

Immundefekte spielen in der Onkologie eine erstzunehmende Rolle. Zum einen sind Immundefekte, wie eben erwähnt, mit einem erhöhten Risiko für Tumorerkrankungen assoziiert (z. B. Lymphome). Zum anderen können Tumorerkrankungen, hier vor allem die hämatologischen Erkrankungen, die vom Knochenmark und Lymphknoten ausgehen, und anschließende intensive Tumorbehandlungen zu einer Immunsuppression führen. Das Auftreten von Infektionen stellt eine der Hauptkomplikationen für Tumorpatienten dar, die deren Überleben beeinflusst.

Warum ist das Thema besonderes für junge Erwachsene mit Krebs wichtig?

Gerade bei Patienten, bei denen die Tumorerkrankungen in jüngeren Jahren auftritt, kann ein primärer Immundefekt vorliegen. Die Mechanismen für diese Prädisposition sind noch nicht in Gänze verstanden, aber Immunfunktionsstörungen, die zu einer insuffizienten Eliminierung bestimmter Viren führen und eine abgeschwächte genetische Stabilität durch gestörte DNA-Reparatur spielen hierbei eine Rolle.

Junge Patienten bekommen oft eine besonders intensive Therapie, die zu einer nachhaltigen Funktionsstörung des Immunsystems führen kann. Durch gezielte Impfungen und eventuell auch Behandlung mit Immunglobulinen und ergänzenden Maßnahmen lässt sich der Schutz gegenüber gefährlichen Infektionserregern oft verbessern.

Gibt es Empfehlungen, die Sie jungen Krebspatienten mit auf den Weg geben möchten?

Das Immunsystem spielt eine kritische Rolle in der Infektabwehr. Es gibt unterschiedliche Ursachen für Infekte, die abgeklärt werden sollten. Vielen kann vorgebeugt werden bzw. sind gut behandelbar.

Liebe Frau Priv.-Doz. Dr. med. Na, wir danken Ihnen für das Gespräch.

(Aufzeichnung im Juni 2017)